„Süßes“ ist ihr Beruf: Deutsche Konditoren-Elite „on Tour“


„CondiCreativClub“ (CCC) auf Info-Visite in Unterneukirchen – Arbeits- und Jahrestagung mit DM-Vorbereitung

Von Sepp Gruber

Unterneukirchen. Über mangelndes Interesse an ihren Produkten beklagt man sich in der Bäckerei-Konditorei Schönstetter nicht. Gäste kommen aus Nah und Fern. Letztes Wochenende mischte sich eine recht hochkarätige Gruppe unters „Cafehaus“-Publikum am Hauptsitz in Unterneukirchen: Es war die nationale Elite des Konditoren-Handwerks. Der „CondiCreativClub“ (CCC) mit Sitz in Braunschweig stattete dem 2012 neu eröffneten Betrieb, der inzwischen zwölf Filialen hat, einen Informationsbesuch ab, führte eine Arbeitstagung durch und stellte Weichen für die nächste Deutsche Meisterschaft.

Der Grund für die erste Visite von Deutschlands besten Konditorinnen und Konditoren im Landkreis lag nahe: „Schönstetter“-Junior-Chefin und Konditoren-Weltmeisterin Angelika Huber ist Mitglied dieses exquisiten Vereins, der deutschlandweit nur 60 Mitglieder zählt. Knapp die Hälfte davon nahm an dem Treffen teil. Gegründet wurde der „CondiCreativClub“ 1994, „um eine junge Elite heranzuziehen, die diesem Handwerk fördernde Impulse verleiht, es bekannter macht und Betriebe übernimmt“, so die Präambel des eingetragenen Vereins. Das Engagement trägt Früchte: Zahlreiche Mitglieder führen inzwischen eigene Konditoreien und fördern den Nachwuchs. Andere sind an Berufs- und Meisterschulen tätig und Teams des CCC nehmen erfolgreich an internationalen Wettbewerben teil. Die bis zu drei Mal im Jahr stattfindenden Treffen und Reisen über die ganze Republik verteilt und ins angrenzende Ausland, dienen den Club-Mitgliedern zum kollegialen Erfahrungsaustausch um Trends aufzuspüren, zur Weiterbildung und um neue Ideen praxisnah zu testen.

Zur Förderung junger Talente rief der Club 2005 den Wettbewerb „Konditor des Jahres“ ins Leben, der seitdem die „Deutsche Meisterschaft der Konditoren und Pâtissiers“ ist. Man legt dabei viel Wert auf Entwicklung neuer Produkte und Geschmackskompositionen, auf kreative Gestaltung mit Umsetzung in der Praxis. Die Besten werden in den „CCC“ aufgenommen. Als Deutsche Konditoren-Meisterin 2008 kam Angelika Huber in diesen erlesenen Kreis. Mit dem DM-Titel hatte sich die Tochter der Bäckerei-Konditorei-Schönstetter-Inhaber Toni und Marlene Huber für die Weltmeisterschaft qualifiziert und siegte dabei zwei Jahre danach in Budapest sensationell. Als einzige WM-Titelträgerin im Club ist sie eins seiner „Aushängeschilder.“

Die Weltmeisterin war es dann auch, die die aus allen „Ecken“ der Republik angereisten Gäste beim Stehempfang willkommen hieß. Angeführt wurde die Gruppe von den Vorständen des „CondiCreativClub“, Florian Löwer aus Aschaffenburg und René Klinkmüller aus Luckau bei Berlin. Darunter waren mit Jochen Baier (Herrenberg bei Stuttgart) und Sabine Baumgarten aus München zwei Jurymitglieder in Johann Lafer‘s ZDF-Serie „Deutschlands bester Bäcker.“ Baumgarten leitete zudem als Chefjurorin des “Konditoren-Weltverbandes” die letzten drei WM‘s in Budapest, Sao Paulo und Taipeh und sitzt auch im Bewertungsgremium bei Deutschen Titelbewerben. Mit ihr war auch der fachliche Leiter der „Meisterschule München“ für Konditoren, Thomas Lugeder, gekommen. Von der BR-Fernsehreihe „Wir in Bayern“, sind Martina Harrecker (Traunstein) und Josef Schwalber (Olching) bekannt und auch sie gehören dem CCC-Club an. Dessen Mitbegründer Adolf Andresen war gar aus Hamburg angereist und ein Mitglied kam aus England. Unterneukirchens Bürgermeister Georg Heindl ließ es sich nicht nehmen, die nationale Konditoren-Spitze in der Gemeinde zu begrüßen. Dabei würdigte er das Investitions-Engagement der Familie Huber und deren beruflichen Erfolg, der Anlass dieses außergewöhnlichen und hochkarätigen Besuchs sei.

In der Betriebsbesichtigung bekamen die „Süßigkeits“-Experten einen Überblick über alle Bereiche der modernen Bäckerei-Konditorei-Anlage –von Energieräumen, Lagerhalle über die große Backstube bis zum Kommissionierungs- und schließlich den Verkaufsraum. Besitzer Toni Huber gab in betriebsspezifische Details Einblick, beantwortete Fachfragen und verhehlte nicht, dass „man auch bei einem neu erbauten Betrieb nach vier Jahren über Änderungen nachdenken muss, um auf aktuellem Stand zu bleiben“. Danach führten die CCC-Mitglieder ihre Jahresversammlung –die letzte fand während einer Studienreise in Luxemburg statt- durch. Dabei stand die Organisation der diesjährigen Deutschen Meisterschaft in Stuttgart im Mittelpunkt. Eine Burgführung in Burghausen und ein Abendessen dort beschlossen den Tag.

Dem gemeinsamen Frühstück anderntags im Gastgeber-Cafe folgte ein von Angelika Huber zusammen mit Martina Harrecker geleiteter Workshop. Beide wählten der Zeit entsprechende Themen. Angelika Huber „bastelte“ mit Pralinen gefüllte Schoko-„Giggal“ und -Osterhasen und Martina Harrecker hatte „frühlingshafte Konditor-Kreationen mit Erdbeere und Rhabarber“ ausgewählt. Dieser Tagungs-Arbeitsteil gab Inspiration und Anregung, die die Teilnehmer in Schrift und vielen Fotos gerne mitnahmen. Absolut zufrieden mit dem Verlauf der zwei Tage und angetan vom Aufenthalt in Unterneukirchen zeigte sich CCC-Vorstand Florian Löwer: „Die Tagung war bestens vorbereitet, wir haben wichtiges besprochen, uns sehr gut ausgetauscht und geschult. Huber‘s Bäckerei-Konditorei-Betrieb hat uns super gefallen. Wir sind hier sehr gut aufgenommen worden und auch das Rahmenprogramm hat gut gepasst“, so der Aschaffenburger.“

Sepp Gruber, Unterneukirchen, den 28.02.2016

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