Deutschlands beste Konditorin


Angelika Huber aus Unterneukirchen überrascht mit Deutschem Meistertitel – Empfang beim Bürgermeister

Unterneukirchen. Das Dorf feiert eine neue Deutsche Meisterin! Nicht sportlich wie schon öfter im Ort, sondern in ihrem Beruf gewann Angelika Huber letztes Wochenende diesen nationalen Titel. Die 22-jährige Konditormeisterin ließ in dem zweitägigen Wettbewerb zur Suche der besten deutschen Konditoren und Pâtissiers in München namhafte Mitstreiter hinter sich. Im März 2009 nimmt sie an der WM teil.

Was für ein Jahr für die Tochter der Bäckerei Schönstetter. Inhaber Marlene und Toni Huber: Im Sommer schloss Angelika die Konditor-Meisterprüfung mit Note 1 ab, war Drittbeste des Kurses und gewann ein dreimonatiges Stipendium in Japan. Fast gegen ihren Willen überredete sie da die CondiCreativClub-Präsidentin zur Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft. Diese endete für die sympathische Unterneukirchnerin nun am Sonntag selbst mit einer „Riesen-Überraschung“: „Nie hätte ich auch nur im Traum gedacht, dass ich gewinne“. Platz drei wäre für sie schon ein Superergebnis gewesen. Doch als das Resultat im Beisein der Familie nach zweitägiger psychischer du physischer Schwerstarbeit – jeweils zwölfstündig – fast unerträglich spannend bekannt gegeben und sie als unerwartet klare Siegerin genannt wurde, brachen alle Dämme. „Ich musste nur noch weinen“, gab sie zu und hatte Mühe, sich bis zu den Fernseh-Interviews wieder zu fangen. Angelika Huber hatte dann kaum Zeit die Freude zu genießen, denn schon zwei Tage später, am gestrigen Dienstag, flog sie zu ihrem Praxis- und Theorieeinsatz über Deutsche Konditorei-Künste nach Tokio.

Mit vier Pralinensorten (Zitronengras, Schichtentraum, Kirsch-Banane, Mocca-Crisp) zu je 30 Stück, vier Sorten Petit Fours (Sahnetörtchen), einem 130 Zentimeter großen Zuckerguss-Schaustück mit zwei Torten sowie einem selbst entwickelten Produkt mit Marketing-Konzept einschließlich Kalkulation, wozu die Jüngste aller zehn DM-Kandidaten ein besonderes Schokoladen-Erlebnisgetränk „erfand“, überzeugte die Juroren restlos. Teilnehmer renommierter Häuser wie Kempinski, Käfer und Hotel Intercontinental hatten das Nachsehen.

Der eminente Stress schon in den Vorbereitungswochen, dann bei der Anlieferung, weil man beispielsweise auch die kleinste Kleinigkeit an Material nicht vergessen durfte bis hin zur Prüfungsarbeit selbst, hatten „sie manchmal fast verzweifeln lassen“, resümierte Deutschlands beste Konditormeisterin. Ein „nie mehr so was“ sei ihr öfter durch den Kopf geschossen. „Dass ich das alles durchstand, ist auch meinen Eltern, meinem Freund Christian sowie Ex-Konditorweltmeister Manfred Bacher aus Mühldorf zu verdanken. Sie haben mir sehr viel geholfen und mich immer wieder angetrieben“, verteilte sie Komplimente. Familie und Freunde braucht Angelika wieder, wenn sie vom anderen Ende der Welt an Weihnachten zurückkehrt: „Dann beginnt die dreimonatige Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft im März in Polen, für die ich qualifiziert bin“, sieht sie dem neuen Stress nun schon ein bisschen gelassener entgegen.

Bereits am Montagmorgen kündeten dicke Lettern am Schaufenster der heimischen Bäckerei Schönstetter vom stolzen Erfolg der Haustochter. Auch Bürgermeister Georg Heindl reagierte schnell und lud schon am Vormittag die Siegerin mit Familie zum Empfang ein. Dazu war auch Amtskollege Heini Hollinger aus Tüßling mit Blumen gekommen, weil die Huber`s knapp neben Unterneukirchens Grenze auf seinem Gemeindegebiet privat wohnen. Beide zeigten sich hoch erfreut über die großartige und beispielhafte Leistung. Heindl überreichte den silbernen Ehrentaler der Gemeinde und ließ die frischgebackene Deutsche Meisterin ins Goldene Buch einschreiben.